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Autismus besser verstehen lernen ...

Autismus verstehen lernen

Jede Seite, die Bezug zum Autismus hat, hat ein Kapitel, welches den Autismus beschreibt. Die Ausführungen dazu sind recht unterschiedlich: Da gibt es zum Beispiel die streng fachliche Seite, die Autismus anhand der gültigen Diagnose-Kriterien beschreibt. Keine Sorge, die sind uns auch bekannt, aber trotzdem werden Sie diese hier nicht finden, weil sie nur dazu taugen, akademische Diskussionen zu führen.

Viel mehr aussagekräftiger sind die symbolischen Darstellungen typisch autistischer Verhaltensweisen. Die allein geben einen Überblick, welches Spektrum Autismus erfassen kann, aber warum das so ist, sagen sie auch nicht aus. Wir haben einen Teil der symbolischen Darstellungen übernommen, aber nur eingebettet in ausführliche Beschreibungen von Erkenntnissen hinsichtlich der wirklichen Ursachen, soweit diese bekannt sind.

Was Autismus wirklich bedeutet, das weiß der einzelne Betroffene allein. Autismus ist jedoch eine Bezeichnung für ein ganzes Spektrum von Störungen, die bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Deshalb weiß der autistisch Behinderte, was sein Autismus bedeutet, aber beim Nebenmann kann dies schon anders sein.

„Autismus verstehen lernen“ heißt dieses Kapitel, aber nicht zu akademischen Zwecken (das mögen andere tun), sondern einzig und allein, um den Betroffenen ein kleines Stück weit mehr gerecht zu werden. Oder auch, um Unsicherheiten abzubauen. Egal, ob Sie nur als interessierter Leser oder als Eltern oder Angehörige eines autistisch Behinderten auf diese Seite geraten sind, so werden sie immer unsicher im Umgang mit autistisch Behinderten sein. Ist das Verhalten jetzt der Behinderung geschuldet oder nur einer schlechten Laune?

Menschen sind nicht nur gut, sondern verfolgen in erster Linie eigene Ziele. Der Umgang miteinander ist manchmal auch geprägt von Egoismus, der manchmal sein muss und manchmal nur eine schlechte Charaktereigenschaft darstellt. Autistisch Behinderte sind da nicht anders. Wenn ich einigermaßen einschätzen kann, wann der Egoismus der autistisch Behinderten für ihn angebracht ist, weil er zum Beispiel unter Zwang steht, und wann nicht, dann haben wir beide ein Stück weit mehr Lebensqualität.

Das größte Kompliment, welches mein autistisch behinderter Sohn, der nur schriftlich mit FC kommunizieren konnte, mir gemacht hat, was das: „Mein Papa versteht, was mir gut tut!“ Dabei war das nicht immer so der Fall gewesen:

Ich konnte mit einem Kind, das auf Anweisungen nicht reagierte und Liebkosungen zurück wies, nichts anfangen. Sicherlich gewöhnte man sich mit der Zeit daran, dass sein Kind "anders" ist, doch ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie schwer meine Frau und ich uns in der ersten Zeit getan haben, als das Verhalten unseres Sohnes uns immer wieder frustrierte. "Warum tut das Kind das bloß" und "Was können wir nur dagegen machen?" waren die häufigsten Fragen, die wir uns stellten, ohne darauf eine Antwort zu erhalten.

Gemeint sind damit sowohl die Stereotypien, die ein autistisches Kind mit großer Ausdauer ausführen kann als auch (scheinbar) sinnlose und schädigende Handlungen wie zum Beispiel das Kot-Schmieren. Selbstverständlich fragten wir damals die unseren Sohn behandelnden Therapeuten, was wir tun könnten. Nur konnten die damals auch nur mutmaßen und die Ratschläge, die wir erhielten, funktionierten nicht oder nur unzureichend.

Der Wendepunkt in der Beziehung zu unserem Kind war der Tag, an dem wir einen Mann kennen lernten, dem ich dieses Kapitel widmen möchte. Dieser Mann hat uns nicht nur die Augen für die Probleme unseres Sohnes geöffnet, sondern uns auch praktizierbare und effektive Ratschläge gegeben, was wir dagegen tun könnten. Meine Motive für die nachfolgenden Zeilen sind sicherlich ein Gemisch aus Dankbarkeit aber auch der Erkenntnis, dass seine Ratschläge heute noch aktuell sind und dem einen oder anderen "jungen Elternpaar" hilfreich sein könnten.

Ich bezeichne ihn gerne respektvoll als den Altmeister, gemeint ist der Amerikaner Dr. Carl H. Delacato. Ich hatte meine erste Begegnung mit Dr. Delacato und seinem Team in Alster bei Bonn, wo er dreimal im Jahr autistische bzw. hirnverletzte Kinder begutachtet und für die Therapie Heimprogramme erstellt. Ich war zugegeben sehr skeptisch, den weiten Weg auf mich zu nehmen und hätte dies nicht getan, wenn meine Frau nicht darauf bestanden hätte. Da zu diesem Zeitpunkt mit unserem Sohn rein gar nichts anzufangen war und er auch sonst auf nichts reagierte, hielt ich es für Zeitverschwendung, noch einen so genannten Experten (dazu noch einen Amerikaner) aufzusuchen.

Unser Sohn war damals absolut therapieresistent gewesen und eine weitere Enttäuschung wollte ich mir eigentlich nicht antun. Da saßen wir nun mit einer unbestimmten Erwartungshaltung in einem Raum der Kreissonderschule für Geistigbehinderte (dort fanden die Konsultationen immer statt) und warteten. Man hatte uns vorher gefragt, ob wir einen Dolmetscher bräuchten. Ich hatte JA gesagt, weil ich mir zwar englische Konversation, doch keine Fachgespräche zugetraut hatte.

Plötzlich ging die Tür auf und ein älterer, kleiner Mann trat in den Raum. "Hey Mummy, hey Daddy!" war seine Begrüßung. Unser Sohn stand oder lag am Fenster und nahm von dem Geschehen zunächst keine Notiz. "Wo bleibt bloß der Übersetzer? Haben die mich falsch verstanden? Was mache ich, wenn er die ganze Geschichte unseres Sohnes von uns erfahren will?"

Während meine Gedanken noch hektisch nach Lösungen suchten, schritt jener älterer Herr an uns vorbei und ging zu unserem Sohn. Er beugte sich über ihn und nach kurzer Zeit bemerkte ich, wie unser Sohn ihn anblickte - also richtig Blickkontakt aufnahm - und ihn mit einer Geste begrüßte. Das war der Zeitpunkt, wo ich zunächst meinen Augen nicht traute und ich spontan dachte: "Der Mann muss ein Zauberer sein!" So etwas hatte bis dato noch keiner bei unserem Sohn fertig gebracht. Und da mir mein Verstand sagte, dass das mit dem Zauberer nicht sein könne, begann ich, mich für ihn und das, was er zu sagen hatte, zu interessieren.

Das, was ich seit dieser Zeit von Dr. Delacato gelernt habe, war bis heute eine gesunde Grundlage, meinen zwischenzeitlich erwachsenen autistisch behinderten Sohn ein Stück weit besser verstehen zu lernen. Das wünsche ich Ihnen alle.

Jürgen Greiner
Dezember 2012
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