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Mitte der 1980er Jahre entwickelte Dr. Ivar Lovaas zusammen mit seinen Mitarbeitern und Kollegen an der Universität von Kalifornien in Los Angeles (USA), kurz UCLA genannt, ein Therapiekonzept (UCLA Young Autism Project) für autistisch behinderte Kinder und Jugendliche, welches einen erstaunlichen, wenn nicht sogar schier unglaublichen Erfolg hatte. Dies alles wurde wissenschaftlich dokumentiert (Lovaas (1987) bzw. McEachin, Smith & Lovaas, (1993)) und veröffentlicht. Lovaas bemühte sich dabei, den strengen Regeln der Wissenschaft Genüge zu tun.

So gab es neben der Gruppe von Kindern, die nach seinen Therapieansätzen behandelt wurden, zwei Kontrollgruppen, wobei die Kinder der einen Kontrollgruppe mit den gleichen Methoden, jedoch wesentlich weniger intensiv behandelt wurden. Während der zwei Jahre, in der diese Studie lief, wurde alles auf Video dokumentiert. Die Untersuchungen bzw. Diagnosen, welche Aufschluss darüber geben sollten, über welches Potential die Kinder verfügten bzw. welche Fortschritte sie gemacht haben, wurden von Außenstehenden durchgeführt, um Manipulationen zu vermeiden. Es gibt noch andere Merkmale dieser Studie, die Fachleute zu dem Schluss kommen lassen, dass diese Studie das Prädikat „wissenschaftlich“ verdient hat.


Welche Ergebnisse konnten Lovaas und Kollegen erzielen?


Eine Gruppe von 19 noch relativ sehr jungen Kindern mit Autismus (3 Jahre oder jünger zu Beginn der Studie) hatte zwei Jahre lang eine sehr intensive Verhaltenstherapie von ca. 40 Stunden pro Woche bekommen. Davon zeigten nach zwei Jahren fast die Hälfte (9) starke Verbesserungen, 8 zeigten einige Verbesserungen und lediglich zwei Kinder zeigten keine oder lediglich geringe Verbesserungen.

40 Kinder aus den Kontrollgruppen bekamen hingegen 0 bis 10 Stunden Verhaltenstherapie pro Woche. Das Ergebnis war wesentlich ernüchternder: Von den 40 Kindern zeigte lediglich ein Kind starke Verbesserungen, 18 Kinder zeigten einige Verbesserungen, während 21 Kinder kein oder nur geringe Verbesserungen zeigten.

Wie bereits erwähnt, wurden 1993 nochmals Ergebnisse publiziert, indem man schaute, was aus den Kindern geworden sei. Die 9 „Spitzenreiter“ aus der Experimentalgruppe konnten reguläre Klassen erfolgreich abschließen und waren nicht mehr von Mitschülern auseinander zu halten. Dies betraf nicht nur den ermittelten Intelligenzgrad, sondern auch Merkmale wie Anpassungsfähigkeit, emotionalen Funktionen und vor allem die Sprachfähigkeit.

Von den Kindern aus dieser Intensiv-Therapie-Gruppe, welche nur einige Verbesserungen gezeigt hatten, waren nach wie vor Fortschritte zu erkennen. Bis auf zwei Kinder entwickelten alle funktionale Sprache.

Die Ergebnisse der Studie zeigen zwei sehr interessante Feststellungen:


1.)
Die Studie beweist, dass autistisch behinderte Kinder grundsätzlich viel mehr lernen können, als man dies für möglich hält. Dabei spielt offensichtlich der Umfang der Therapie- und Trainingsmaßnahmen die entscheidende Rolle (40 Stunden pro Woche).

2.)
Dass die Quantität und nicht die Qualität der Maßnahmen für diesen Erfolg entscheidend gewesen war, zeigen die Ergebnisse der Kontrollgruppe, wo bei gleicher Therapiemethodik, jedoch mit einem wesentlich geringeren Umfang die Ergebnisse eher bescheiden ausfielen.

Befürworter der Verhaltenstherapie führen immer wieder ins Feld, dass diese eine wissenschaftlich fundierte Therapiemethode sei. Wenn jedoch diese wissenschaftlich fundierte Therapiemethode dann bei unserem eigenen Kind augenscheinlich nur sehr dürftige Fortschritte bringt, dann werden wir darüber belehrt, dass Autismus eben unheilbar sei. Ist dies wirklich so?

Eines fällt doch auf: Wenn autistisch behinderte Kinder in Deutschland früher als auch noch heute Verhaltenstherapie erhielten bzw. erhalten, dann geschieht dies in der Regel in einem Umfang, der mitunter noch unter dem liegt, welchen die Kinder der Kontrollgruppe erhalten hatten. Stellt sich angesichts der Ergebnisse von Lovaas und Kollegen doch unweigerlich die Frage: „Weiß man es hierzulande nicht besser oder will man uns Eltern für dumm verkaufen?“

Es ist nur sehr schwer vorstellbar, dass die Autismus-Fachleute hierzulande noch nichts von LOVAAS gehört haben. Wenn man sich jedoch nur oberflächlich damit beschäftigt hat, dann kann man auch gerne die Argumente von Lovaas’ zahlreichen Kritikern aufnehmen, die versuchten, seine Ergebnisse in Frage zu stellen. Nichts gegen eine gepflegte, akademische Diskussion, auch über die Ergebnisse von Studien. Aber Tatsache ist doch, dass unsere Kinder ganz wenige Chancen haben und wenn der Ansatz nach LOVAAS nur ein Strohhalm wäre, dann darf so etwas nicht totgeschwiegen werden.

Dabei ist der Ansatz von LOVAAS nach den Erkenntnissen, die wir aus der Biomedizin in den letzten Jahren gewinnen konnten, durchaus nachvollziehbar. Sicherlich sind die Zusammenhänge in unserem Körper so komplex, dass man sie nicht mit einigen Worten erklären kann. Jedoch ist zwischenzeitlich hinreichend bekannt, dass der Körper und seine Systeme bei intensivem Training sehr anpassungsfähig sind. Offensichtlich lässt sich, das beweisen die Ergebnisse von Lavaas, auch das (gestörte) Zusammenspiel der Neurotransmitter grundsätzlich therapieren, was im Einzelfall zu beweisen wäre.
Editorial

„Autismus ist behandelbar“ ...

... ist seit vielen Jahren die These dieser Website, die in der Nachfolge einer zwischen den Jahren 1999 und 2003 von Eltern autistischer Kinder in unregelmäßigen Abständen herausgegebenen Zeitschrift, die sie WIR ELTERN nannten. Das ist sicherlich eine sehr gewagte These, aber Sie werden auf dieser Website erfahren, auf welchen Erkenntnissen und Fakten diese Behauptung ruht.

Sie haben mit dem Autismus-Portal eine Website betreten, welche sich schwerpunktmäßig mit Therapieansätzen zur Linderung von Störungen der Wahrnehmung beim Autismus und mit biomedizinischen Therapieansätzen beschäftigt. Sie werden hier keine utopischen Heilversprechen finden, aber zahlreiche Hinweise darauf, wie Autismus gerade bei recht jungen Kindern behandelbar ist, ohne dass damit andere Therapieverfahren verworfen oder vernachlässigt werden müssten.

Was andere Therapieverfahren betrifft, die sich in den letzten Jahrzehnten in der Behandlung von autistisch behinderten Menschen etabliert haben, so werden diese nicht in Abrede gestellt. Der Grund, warum auf dieser Website wenig darüber berichtet wird, ist schlicht und ergreifend der, dass es dafür genügend andere Websites gibt, die mit großem Sachverstand darüber berichten. Auf Vorschlag unserer Besucher geben wir aber gerne auch auf dieser Website Hinweise auf Inhalte anderer, wenn dies gewünscht wird.

Nachdem jedoch noch vor der Jahrtausendwende aus den USA die ersten Meldungen kamen, dass mit biomedizinischen Therapieansätzen zahlreichen Kindern geholfen werden konnte und dass einige von ihnen sogar die Anzeichen des Autismus wieder verloren hätten, darf man sich doch zu Recht fragen, warum diese Therapieansätze, über die wir hier berichten, hierzulande immer noch ein Schattendasein führen. Die Antwort darauf finden Sie auch hier und gerade deshalb hat diese Website ihre Berechtigung.

Es geht dabei nicht um Rechthaberei, sondern um Information. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Eltern autistisch behinderter Kinder gerade in den ersten Jahren auf Informationen angewiesen sind. Dieser Aufgabe kommen wir auf dieser Website nach.

Bilden Sie sich ihre eigene Meinung und übernehmen Sie nicht einfach das, was Ihnen andere sagen. Autismus sei genetisch bedingt, wird man vielleicht Ihnen sagen. Mag sein, aber das sind viele andere Krankheiten auch, die trotzdem behandelt werden. Autismus sei gar keine Krankheit oder Störung, sondern einfach eine neurologische Andersheit, wird man Ihnen vielleicht sagen. Die Konsequenz daraus wäre, dies einfach zu akzeptieren? Das kann es nicht sein, ungeachtet dessen, dass autistisch behinderte Menschen trotz ihres Verhaltens in der Gesellschaft akzeptiert werden sollen.

Die Wissenschaft hat Abnormalitäten im Gehirn von autistisch behinderten Menschen festgestellt. Die Schlussfolgerung, dass es sich also um eine neurologisch bedingte Störung handelt, ist jedoch zu einfach und führt dazu, dass andere Ursachen gerne übersehen werden. Daneben stellen nämlich immer mehr Ärzte, Biochemiker und andere Fachleute bei Betroffenen massive Abnormalitäten im Bereich des Immun- als auch des Verdauungssystems fest. Ob das eine das andere auslöst oder umgekehrt, ist doch eigentlich egal. Wenn ein autistisch behindertes Kind, wovon in den meisten Fällen ausgegangen werden kann, Abnormalitäten im Bereich des Immun- als auch des Verdauungssystems aufweist, was durch Untersuchungen im Einzelfall belegt werden kann, wenn die richtigen Untersuchungen durchgeführt werden, dann sind diese schlicht und ergreifend behandlungsbedürftig.

Und damit wären wir wieder bei der These „Autismus ist behandelbar!“

Eine Anmerkung zum Schluss: Mir ist sehr wohl bewusst, dass es nicht korrekt ist, einfach von Autismus zu sprechen, sondern dass der Begriff Autismus-Spektrums-Störung zutreffender wäre. Und mir ist auch bewusst, dass dieser Begriff deshalb gewählt wurde, weil das Spektrum der Störungen sehr groß ist. Ich bleibe dennoch bei dem Begriff Autismus, weil die hier vorgestellten Erkenntnisse für alle Betroffenen des Spektrums segensreich sein können.