Logo Autismus-Portal

Navigation

Autismus von außen betrachtet

Definition
Autismustypische Verhaltensweisen 1
Autismustypische Verhaltensweisen 2
Das Wort des Psychiaters ist Gesetz?
Delacato – der erste, der ins Innere blickte

Wenn die Sinne rebellieren

Das Gehör - Verarbeitung von akustischen Reizen
VIDEO Lärm
Verarbeitung von taktilen Reizen
Temple Grandin: Meine Erfahrungen ...

Biomedizinische Ansätze

Grundlagenwissen
Falsche Vorstellungen und Irrtümer
Wissenschaftliche Nachweise
Was man immer noch nicht weiß
Bernard Rimland und das ARI
Was können wir hier tun?
Berichte über Genesungen
Biomedizinische Ansätze sind Spurensuche nach den Ursachen
Es begann mit Vitamin B6
Ist Autismus wirklich unheilbar?
Erkenntnisse aus der Entdeckung „Sekretin“
Gluten und Kasein


Literaturhinweise

Buchempfehlungen
Websites anderer


Autismus-Portal:

Editorial
Impressum
Datenschutzerklärung

Autismus von außen betrachtet

Das Wort des Psychiaters ist Gesetz?

Die Überschrift ist provokant und das soll sie auch sein. Schwerpunkt dieser Website ist der Versuch, darzulegen, dass Autismus behandelbar ist, wenn man die richtigen Untersuchungen und anschließend die richtigen Maßnahmen trifft. Trotzdem höre ich auch hierzulande heute noch, nachdem wir seit fast zwei Jahrzehnten über biomedizinische Ansätze berichten: Alles Quatsch, Autismus ist unheilbar. Ein Glück, dass ich auf englischsprachigen Websites, allen voran auf der des Autism Research Institutes, etwas anderes vernehme.

Ich verstehe, dass Sie als Eltern verunsichert sind. Wem soll man glauben? Diese Entscheidung kann ich Ihnen nicht abnehmen, aber wenn Sie die nachfolgenden Zeilen lesen, dann werden Sie feststellen, dass sich die Fachwelt in Bezug auf Autismus schon so oft korrigieren musste, nur tat man das hierzulande erst, als es nicht mehr anders ging.

Der Arzt Leo Kanner, geboren in der Ukraine (damals Österreich-Ungarn) und 1924 ausgewandert in die USA, veröffentlichte1943 den Artikel Autistic Disturbances of Affective Contact, in dem er elf Fallbeispiele vorstellte, wo er autistisch behinderte Kinder beschrieb, die nicht sprechen konnten. Als er ein Jahr später eine weitere Abhandlung unter dem Titel „Early Infantile Autism“ (zu Deutsch: Frühkindlicher Autismus) veröffentlichte, hatte das Syndrom einen Namen erhalten, den wir heute noch verwenden. Mitunter spricht man auch vom Kanner-Syndrom.

Kanner konnte zwar die Symptomatik beschreiben, aber woher die Störung kam, das fand er nicht heraus. Also muss es psychische Ursachen haben. Da die Psyche keine Biomarker hat, gibt es auch keinen objektiven Befund. Das Wort des Psychiaters wird zur Lehrmeinung, wird zum Gesetz. Kanner sah in dieser Zeit Kinder von Frauen, die als Geschäftsfrauen berufstätig waren. Das ist nicht verwunderlich, denn vermutlich konnten sich Familien aus der Arbeiterklasse den Besuch beim Psychiater gar nicht leisten. Aufgrund dieser Konstellation war die These geboren, dass die Mütter aufgrund mangelnder Empathiefähigkeit die Störung ihrer Kinder ausgelöst hätten. Also waren die sogenannten „Kühlschrankmütter“ schuld und diese These hielt sich lange, ohne dass es dafür irgendeinen objektiven Beweis gab.

Der österreichische Kinderarzt und Heilpädagoge Johann „Hans“ Friedrich Karl Asperger veröffentliche 1944, also fast zu gleichen Zeit, die Beschreibung von vier Jungen, die er als „autistische Psychopathen“, aber auch als „kleine Professoren“ bezeichnete, da sie über das Gebiet ihres Spezialinteresses detailliert sprechen konnten und oft ein erstaunliches Wissen ansammelten, jedoch hingegen einen auffallenden Mangel an Empathie und ein großes Maß Ichbezogenheit zeigten. Erst, nachdem die britische Psychologin Lorna Wing in den 1980er-Jahren die Forschungen Aspergers fortführte, definierte sie das Syndrom und nannte es Aspgerer-Syndrom.

In den USA wurde in den 1960er Jahren von dem Psychologen Dr. Bernard Rimland (geboren am 15.11.1928, gestorben am 21.11.2006) das Autism Research Institute (kurz ARI genannt) gegründet. Es war jedoch nicht die Initiative der Wissenschaft oder der Psychiater, die zu dieser Gründung führten. Die hatten sich zwischenzeitlich in der bestehenden Lehrmeinung sehr gut eingerichtet.

Rimland, der Gründer des Institus, war nicht nur aufgrund seines Berufes ein Fachmann, sondern er war „einer von uns“, denn sein im Jahr 1956 geborener Sohn Mark wurde im Alter von 2 Jahren als autistisch diagnostiziert. Wenn wir uns gedanklich in das Jahr 1958 zurück versetzen, dann war die Autismus-Forschung noch sehr jung. Die Theorie der gefühllosen „Kühlschrankmütter“, die schuld am Autismus ihrer Kinder seien, habe Rimland, gerade weil er selbst Betroffener war, dazu bewogen, sich fortan der Forschung auf dem Gebiet Autismus zu widmen. Im Jahr 1964 veröffentlichte er das Buch „Infantile autism: The syndrome and its implications for a neural theory of behavior.“ Wie aus dem Untertitel bereits hervor geht, widerspricht Rimland der Annahme, dass das Verhalten der Eltern Autismus auslöse und er spricht davon, dass Autismus zum einen angeboren sei und neurologische Ursachen habe.

Was diese betrifft, so war Rimland zu dieser Zeit noch nicht so weit wie später im Jahr 1974 Delacato (siehe nächster Beitrag), aber immerhin bezieht er die Merkmale "Alleinsein" und "Erhaltung der Gleichheit" als eine Störung im Gehirn, die zu einer Unfähigkeit führe, neue Reize auf erinnerte Erfahrungen zu beziehen. Aber nochmals: Wir sprechen vom Jahr 1964. Immerhin nahm damit die Ära der Schuldzuweisung an Eltern ein Ende.

Werfen wir kurz einen Blick auf Deutschland: Ich zitiere kurz aus der Website des Bundesverbandes Autismus Deutschland e.V. [https://www.autismus.de]: Weil für ihre autistischen Kinder keine gezielte Unterstützung zu finden war, schlossen sich 1970 betroffene Eltern zusammen und gründeten einen Selbsthilfeverband. Zu diesem Zeitpunkt war das Störungsbild noch weitestgehend unbekannt und es gab noch keine speziellen Konzepte für die therapeutische und pädagogische Förderung von Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Menschen mit Autismus.

Rimland erste Vermutung war die, dass die dem Autismus zugrunde liegende Störung den Gebrauch von erlernten Erfahrungs- und/oder Handlungsmustern blockiere oder zumindest erschwere. Er stieß dann im Verlauf seiner Recherchen auf eine Methode, die wir heute noch als ABA (Applied Behavioral Analysis, damals noch Verhaltensmodifikation genannt) kennen, die jedoch damals vermutlich noch nicht so entwickelt waren wie heute. Es stellte sich heraus, dass die Ansätze sich ausgezeichnet als Interventionsmaßnahme bei Autismus eigneten.

Schon bald darauf stieß Rimland auf die ersten Hinweise, dass Autismus etwas mit dem Stoffwechsel und/oder dem Immunsystem zu tun haben könnte. Der erste biomedizinische Therapieansatz, den Dr. Rimland untersuchte, war die Gabe von hoch dosiertem Vitamin B6 zusammen mit Magnesium (siehe Beitrag auf dieser Website) und es folgten andere. Rimland veranlasste und/oder sammelte darüber insgesamt 22 Studien, darunter 13 doppelblind-kontrollierte Studien (wo also auch Placebos eingesetzt werden und nicht einmal der Arzt weiß, ob Placebos eingesetzt worden sind), die gezeigt haben, dass hoch dosiertes Vitamin B6 kombiniert mit Magnesium einem großen Teil der autistisch behinderten Kinder hilft. Als positive Auswirkungen wurden die Verbesserung der Sprache und der Aufmerksamkeit sowie die Verringerung von Schlafproblemen, Selbststimulation und Reizbarkeit genannt.

In Deutschland blieb dies jedoch eher ein Insider-Typ, über den man nicht laut sprach. Seitens der Fachwelt wurde der Ansatz, soweit ich das jeweils mitbekommen habe, mit dem Hinweis abgetan, dass solche Mega-Dosen schädlich sein würden. Die Idee, zu untersuchen, was dahinter steckt, haben hierzulande nur ganz wenige entwickelt.

Der nächste Abschnitt dieser Website handelt von Störungen in der Verarbeitung von Sinnesreizen, über die autistisch Behinderte berichten. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als man hierzulande über die These lächelte. Nein, so etwas gehört nicht zur Definition des Autismus, also gibt es das auch nicht! Erst, als durch den Druck von immer mehr bekanntgewordenen Zeugnissen von Betroffenen auch die Psychiater reagieren mussten, waren solche Feststellungen salonfähig.

Zurück zu Rimland: „Defeat Autism Now!“ heißt in Etwa zu Deutsch: „Besiegt endlich den Autismus!“ Tatsächlich gibt es in den USA seit Mitte der 1990er Jahr das Forschungsprojekt „Defeat Autism Now!“. Neben Rimland gehörte der Arzt Dr. med. Sidney M. Baker und der Chemiker Dr. Jon Pangborn zu den Gründern dieses Bewegung und das Ziel war es, Fachleute und Experten aus den verschiedenen Gruppen von Symptomen, die beim Autismus eine Rolle spielen, an einen Tisch zu bringen. Dabei waren es vor allem Ärzte, Forscher und Experten, die sich mit biochemischen, immunologischen und gastroenterologischen Symptome im Zusammenhang mit Autismus beschäftigten.

Zwischenzeitlich finden zweimal im Jahr die DAN!-Fachtagungen (original: DAN!-Conference) statt, die so gut besucht sind, dass zwischenzeitlich auch Stehplätze vergeben werden. Und wenn ich Biographien von Fachleuten lese, die an dem DAN!-Projekt beteiligt sind, dann sind dies meistens Väter oder nahe Angehörige von autistisch Behinderten.

Längst war die DAN!-Bewegung auch eine Bestätigung für nicht-amerikanische Wissenschaftler wie zum Beispiel den Norweger Dr. Kalle Reichelt oder den Briten Dr. Paul Shattock, welche biomedizinische Ansätze beim Autismus auch schon zu diesem Zeitpunkt publiziert hatten.

Und heute: Das ARI hat auf seiner Website folgenden Text veröffentlicht, wobei ich den letzten Absatz zitiere: Während der letzten Monate seines Lebens kam Dr. Rimland oft auf die Kinder zu sprechen, deren überglückliche Eltern die Geschichten ihrer Genesung mit dem ARI geteilt hatten. Seinem Gesicht war der Stolz anzusehen, den er darüber empfand, dass eine stetig wachsende Anzahl von Kindern, die vor nur ein paar Jahrzehnten noch als hoffnungslos gegolten hatten, solch dramatische Fortschritte machte. Nur schon zu Dr. Rimlands Lebzeiten haben wir es von „hoffnungslos” bis zu „Hoffnung für viele“ gebracht. Mit harter Arbeit und Glück werden wir unser Endziel, „Verhütung und Genesung für alle”, erreichen.

Quelle: Website des ARI

Doch beachten Sie diesen Satz nicht. Genesung gilt offenbar nur für amerikanische Kinder. In Deutschland ist Autismus nach wie vor unheilbar. Oder doch nicht?